Robert-Wetzlar-Berufskolleg Unesco-Projekt-Schule

DRITTER DEUTSCH- FRANZÖSISCHER AUSTAUSCH

„100 Jahre 1. Weltkrieg – über alte Gräben und neue Freunde - hin zu einem gemeinsamen Europa Teil III - Deutsch-französisches Seminar in Kehl / Straßburg vom 27.11.2016 - 02.12.2016 Diesmal startete unsere Reise zum Seminartreffen mit dem Flixbus von Bonn nach Kehl. Die Gruppe bestand aus 14 Studierenden aus 4 Erzieherklassen der Fachschule für Sozialpädagogik. Kehl befindet sich direkt am Rhein in Baden-Württemberg, gegenüber der französischen Stadt Straßburg, die im Elsaß liegt. In den nächsten Tagen sollten wir diese beiden Grenzstädte näher erkunden und zusammen mit unseren französischen Partnern, einer Gruppe von 15 Sonderpädagogen aus einer Schule („École européenne supérieure en travail social“) in Lille, das Thema Europa und Migrationspolitik behandeln. Das Programm startete montags wie jeden Tag mit Sprachanimation. Wir erstellten gemeinsam eine Mind–Map zum Grenzstädtethema Kehl – Straßburg und versuchten dazu passende Begriffe in den zwei Sprachen zu finden. Im Anschluss wurde erläutert, welche Aktivitäten für die kommende Woche vorgesehen waren. Wir konnten weitere Ideen und Vorschläge einbringen. Da die Teilnehmer der französischen Gruppe neu waren, erzählten einige deutsche Studierende über  die beiden vergangenen Workshops, weil die Seminare so angelegt sind, dass sie aufeinander aufbauen. Wir sprachen über das Thema Krieg, der uns nicht nur aus der Vergangenheit bekannt ist, sondern uns auch im gegenwärtigen Alltag begleitet, weil wir in den Schulen oder auch in sozialen Einrichtungen mit ,,Kriegsflüchtlingen“ arbeiten, sie aufnehmen oder sie unterstützen. Hierzu berichtete eine französische Seminarteilnehmerin von ihren Erfahrungen, die sie während ihrer Flüchtlingsarbeit in Nordfrankreich gesammelt hat. Um die Stadt kennen zu lernen, gaben uns unsere Seminarleiter Ludovic und Verena den Auftrag sogenannte ,,Gif-Bilder“ (Bilder, die sich bewegen) von Statuen oder Gebäuden, die aus Kriegszeiten stammen, zu fotografieren. Diese Aufgabe führten wir in binationalen Gruppen durch. Am Nachmittag führten uns 2 ältere Personen, die die wechselhafte Geschichte der Grenzstädte selbst miterlebt haben, entlang des Rheins. Der deutsche Herr erzählte von seiner Jugend und wie sich die beiden Städte Kehl und Straßburg mit der Zeit veränderten. Brücken sind nicht nur heutzutage für die beiden Städte sehr wichtig, sondern waren es auch früher. Er sagte, dass er in seiner Jugend viele Brücken sah, die aufgebaut und wieder zerstört wurden. Zitat: ,,Wenn die Brücken in Kehl standen, ging es Kehl gut.“ Früher herrschte nicht so eine harmonische Verbindung zwischen Straßburg und Kehl wie heute. Die Grenzen waren geschlossen und das andere Land konnte nicht betreten werden ohne strenge Kontrollen. Für die Leute in Kehl war der Rhein eine ,,symbolische Grenze“. Mit der Öffnung der Grenzen und dem Bau der  Europabrücke gab es die Möglichkeit das Nachbarland/die Stadt  ohne Probleme zu erreichen. Passend zur Neuzeit wurden Denkmäler der engen Verbundenheit der Städte/Länder als Symbole für die Öffnung der Grenzen errichtet. Eine Statue zeigt, dass Kehl und Straßburg nur einen Spalt voneinander getrennt sind. Nach der Führung überquerten wir gemeinsam mit dem Bus die Grenze und ließen den Abend  auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg mit warmen Getränken, Speisen und wunderschöner weihnachtlicher Beleuchtung ausklingen. Am nächsten Tag besuchten wir das europäische Parlament in Straßburg. In 2 Gruppen wurden wir durch das Gebäude geführt. Man erläuterte uns die Zusammensetzung und die Aufgaben des Parlaments. Die Europäische Union gründet auf der faszinierenden Vorstellung von Frieden, Freiheit, Stabilität und Wohlstand. Nach Jahrhunderten verheerender Konflikte und der Katastrophe zweier Weltkriege ist mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft eine neue Ära eingeleitet worden. In dieser Ära des Friedens wurde durch die offenen Grenzen in Europa einer der ältesten Träume der Menschheit wahr. In unserem Seminarsaal in der Stadthalle von Kehl arbeiteten wir nachmittags erneut in binationalen Gruppen und erstellten Plakate zum Thema Grenzen (real existierende und Grenzen im Kopf). Am Abend stellte uns der Leiter der Kunstschule Offenburg an Hand eines Videos ein Tanzprojekt vor. Dieses Projekt wurde mit französischen, deutschen Jugendlichen und jungen Flüchtlingen gemeinsam auf die Beine gestellt. Sie tanzten in normaler Kleidung zusammen auf der Europabrücke. Mit Kreidestücken malten sie während des Tanzes Linien auf den Boden und mit den Steinen legten sie Wege. In diesen Tanz konnten die Zuschauer ihre eigenen Gedanken hinein interpretieren. Die gemalten Linien auf dem Boden konnte man z. B. als ,,Grenzen“ erkennen. Die Steine konnten Steine sein, die einem in den Weg gelegt werden, die man beseitigen muss. In solchen künstlerischen Tanzprojekten können die Jugendlichen verschiedener Nationalitäten aufeinander zugehen, indem sie sich ausprobieren und ihrer Fantasie freien Raum lassen können. Am Mittwoch begann der Morgen wieder mit einer Sprachanimation. Es wurden drei gemischte Gruppen gebildet, diese sollten abwechselnd ein französisches und ein deutsches Wort zum Thema  „Auslandsaufenthalt – Urlaub“ in der Reihenfolge des Alphabets aufschreiben. Die Gruppe, die als erstes zu jedem Buchstaben ein Wort aufgeschrieben hatte, war der Gewinner.  So ähnliche Spiele/Aufgaben  führten wir auch in den weiteren Stunden durch. Diese Übungen können wir auch bei unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anwenden. Bei einem erneuten Besuch von Straßburg besuchten wir die französische Caritas-Alsace, um dort etwas über die Organisation, Finanzierung und Einsatzgebiete zu erfahren. Die Caritas unterstützt Menschen, die in einer Notlage sind, dazu gehören aktuell insbesondere Flüchtlinge. Im Unterschied zur deutschen Caritas wird diese zu 70 % aus Spenden finanziert. 9 Prozent des Einkommens werden vom Staat finanziert und der Rest wird durch Veranstaltungen wie zum Beispiel Konzerte oder Verkäufe gewährleistet. Nachmittags berichtete ein Mitarbeiterin der Caritas Offenburg über Migrationspolitik in Deutschland und die Arbeit der Hilfsorganisationen. Wir beschäftigten uns erneut in binationalen Gruppen mit dem Thema Europa. Dazu sollte jeder in seiner Sprache in einer kurzen Zeit einen Ort beschrieben, den man selbst mit Europa verbindet. Es musste kein wirklicher Ort sein, man durfte sich auch einen Ort ausdenken. Zitate: „Diesen Ort, den ich vor Augen habe, ist ein Platz, den alle Menschen erreichen können. An dieser Stelle fällt es den Leuten leicht miteinander zu kommunizieren. Die Leute leben dort friedlich zusammen“. „Heute erlebe ich Europa als Gemeinschaft, die in der Not zusammen hält“. Am letzten Abend hatten wir die Gelegenheit uns noch einmal in einer schönen Atmosphäre auszutauschen. Ich persönlich würde erneut an so einer Veranstaltung teilnehmen, da es eine interessante Erfahrung mit vielen bleibenden Eindrücken war. Man hat die Chance, neue Menschen, andere Sichtweisen, etwas über unsere Geschichte und andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen.                                                                                                                             Anna Fregien, FSP215
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